Sookie Mareen Freitag, 68, ist tot und ganz Münster trauert! Ein Nachruf auf eine Koryphäe der Menschlichkeit
Wenn man eine Todesnachricht erhält, schießen einem schnell tausend Dinge durch den Kopf. Panik und Hilflosigkeit machen sich breit. Wie kann es denn nur sein, dass diese geliebte Person nun weg ist?
Ein Nachruf, Kommentar und Meinung von Siegfried Schmidt Koenig Mark Bellinghaus-Raubal
Wie ich erst gestern erfahren habe, ist eine Vorreiterin, wenn es um Menschenrechte, LGBT-Rechte und vor allem der Rechte von Transgender geht, bereits am 6. Mai 2026 nach kurzer, schwerer Krankheit in ihrer Wohnung vollkommen vereinsamt gestorben.
Was ich hier nun in meinem Nachruf unbedingt auch mit ansprechen muss, ist die Tatsache, dass besonders ältere Transgender an unserer Gesellschaft verzweifeln, ja sogar, wie im Fall meiner Freundin Sookie Maureen Freitag, auch zerbrechen.
Ich selbst habe Sookie sehr sehr oft versucht, Hilfe und Unterstützung zuteilwerden zu lassen. Das kann die Polizei Münster (respektive PHKin Rita W.) zu 100% genau so auch nur bestätigen. Ich ging nicht nur regelmäßig für Sookie einkaufen, sie hatte ja auch eine Pflegeperson, die regelmäßig nach ihr schaute usw.
Leider hatte Sookie nicht sehr viele Freunde. Nicht einmal eine Handvoll. Traurig. Aber das ist leider die Wahrheit. Und darüber sollten Menschen, die sich entschließen, "anders" leben zu wollen, als es der Rest der Welt tut, bitte mit aller Ernsthaftigkeit und Genauigkeit nachdenken.
Sookie wurde für ihr Anderssein nicht nur einmal zusammengeschlagen, wie sie mir selbst erzählte.
Ich versuchte sie immer aufzubauen, und von der Kettenraucherei wegzukriegen.
Und ich habe ihre vergilbten Gardinen weggeschmissen und neue aufgehängt.
Dieser Artikel soll auch gleichzeitig ein unterschwellige Kritik an der Schnelllebigkeit, der Oberflächlichkeit und der Ignoranz einer sich immer wieder aufs neue selbstbejubelnde LGBTIQ*-Komune sein, die in Münster mehr als überschaulich ist.
Dass Sookie massive psychische Probleme hatte, ist leider traurige Realität. Die Polizistin, die dabei war, als ich auf den Tag genau vor 4 Jahren durch eine absolut an den Haaren herbeigezogene Zwangsräumung obdachlos wurde (Gott sei Dank nur auf dem Papier), Frau Rita W., von einer Polizeiwache in Münster, kann ein Lied davon singen, wie hart Sookie kämpfte, um zu überleben.
Etwas ähnliches, wie den Fall Sookie Maureen Freitag, hatte ich vor 20 Jahren bereits in den USA erlebt. Da sah ich obdachlose Transfrauen, die einen Einkaufswagen durch West-Hollywood schoben, und man sah, dass diese ehemals hübschen Sternchen ganz gewiss bessere Tage gesehen hatten.
Ähnlich so bei Sookie.
Ob das jetzt rein psychischer Natur war, was Sookie so eremitenhaft in ihrer Wohnung gefangen hielt, oder einfach nur ihre Art und Weise, sei dahingestellt.
Sookie war ein echter Mensch. So, wie es sich Margot Friedländer von uns allen wünschte. Und Sookie ging mit mir und einem weiteren Zeugen ins Theater, als ich die Sache "Kinderhaus" von Mark Bellinghaus-Raubal vs. "Kinderhäuser" von Karen Breece mit der mittlerweile gekündigten Intendantin Katharina Kost-Tolmein aufklären wollte und beleidigt wurde.
Sookie war so freundlich mir ihre Zeugenaussage sogar als Eidesstattliche Versicherung zu geben.
Wäre ich tatsächlich zum neuen Generalintendanten von Münster erkoren (ich kam unter die letzten 7 Kandidaten von fast 90 Bewerbern) worden, so hätte ich Sookie einen Abend im Theater gegeben. Denn sie hatte so viele super interessante Geschichten zu erzählen gehabt.
Der Ehemann der scheidenden Intendantin hat vor Jahren eine Transfrau aus Berlin einfliegen lassen, auf Kosten des Steuerzahlers natürlich, dabei hatten wir mit Sookie Maureen Freitag wirklich ein Beispiel, welches unerreichbar war und ist. Mit allen mega hohen Höhen und unvorstellbaren Tiefen, die ein Leben als Paradiesvogel von einem abverlangt.
Denn Sookies Leben war alles andere, als einfach.
Es war Qual.
Perücke drüber, um mal zum EDEKA eine Torte oder die Dinge die sie so gerne aß, zu holen. Hast Du schon einmal eine Perücke bei der Schweinehitze wie neulich übergezogen? Ich konnte meine Deutschland-Perücke in der Hitze nicht aufsetzen, und bei vielen Transfrauen gibt es keine Haarpracht wie bei Madonna oder Lady Gaga....!
Sookie zeigte Gesicht. Sie war Vater eines Sohnes, vor ihrer körperlichen Angleichung und Komplett-OP, und sie war Fußballfan wie ich selbst. Das verband uns, und nicht nur das.
Während ich dies schreibe, spüre ich, wie es mit trifft, dass sie nun tatsächlich tot ist.
Sie traute sich, als sich kaum jemand traute in Frauenkleidern auf die Straße zu gehen.
Dafür wurde sie oft verspottet und schlimmeres sogar.
In einer Gesellschaft, die sich offensichtlich im Wandel befindet, so scheint es mir, ist kein Platz mehr für Männer die Frauen sein wollen, und Frauen, die Männer sein wollen. Wieso, weshalb und warum?
Sollte unsere Gesellschaft tatsächlich so schizophren sein, und rückwärts marschieren, statt vorwärts?
Sind die CSD-Paraden die in fast jeder Stadt mittlerweile ausgerichtet werden, nur noch hohler Mammon und Schnörkel?
Wie scheinheilig wäre das? Sookie und ich diskutierten sehr oft und stundenlang über Politik und das, was hier gerade vor sich geht, in unserem Land.
Aber die jährlichen CSD-Paraden, wo es am nächsten Tag heißt "back to normal", haben meiner Meinung nach schon längst ihren Sinn und Zweck verfehlt. Sie sind wie die FIFA es durch den Fußball wurde, nur noch zum "Geschäft" geworen. Höher, größer, immer, immer mehr. So wie bei Herrn Infantino, so applaudiert sich jedes Jahr eine Komune, die nichts übrig hat, für alte Transpersonen, wie es Sookie war. Die sind anscheinend nicht gewollt, oder sogar fehl am Platz. Genau das war Sookies Meinung über diese Glamour-Queens, die alles weglächeln. O-Ton Sookie.
Denn am Beispiel Sookie kann man sehen, dass diese bunte Komune verdammt wenig tut, wenn es darum geht sich um einander zu kümmern. Soll heißen, um weniger glamouröse Mitglieder, die alt und faltig sind. Denn das, igittigitt, will diese Komune nicht sehen. Nicht realisieren.
Sookie ist komplett alleine gestorben. Und das tut mir im Herzen weh.
Auch dieses Beispiel sollte uns allen vor Augen schweben, wenn es in Münster Ende August wieder heißt "Christopher Street Day Münster" mit schrillen Leuten, lauter Musik, Lachen und Weinen und Demonstrationen.
Was haben diese denn einer einsamen alten Transfrau gebracht, die an der Einsamkeit tatsächlich vor aller Augen zerbrochen ist?!
Sookie ging die letzten Monate ohne Perücke einkaufen, und es war ihr egal wie dumm die Leute glotzten, weil sie eine Halbglatze hatte. Ich glaube sie hatte aufgegeben, und wollte auch längst nicht mehr. Das Traurige ist, dass ich mich nicht von ihr verabschieden konnte, weil ich mit meinem Leben, dem Stress mit der Justiz Münster und meinem Vermieter Herbert, um den ich mich ja auch 24/7 kümmere, weil er schon 78 Jahre alt ist, keine Zeit mehr für Sookie hatte. Man soll die Menschen die man respektiert, achtet, schätzt und liebt, so behandeln, als könnte man sie niemehr wieder sehen. Das habe ich nun aus diesem überraschenden Tod von Münsters mutigster Transfrau klar und deutlich gelernt. Ich gebe diese Erfahrung sehr gerne an Sie, an Dich weiter. Bitte halte einen guten Gedanken für eine Kämpferin, die zum Stadtbild gehörte, weil sie fast jeder kannte.
Danke.
Unser Nachruf
Ruhe in Frieden, liebste Sookie.
Als wir uns trafen, vor vielen Jahren in Münster, wurdest Du mir zu einer Freundin, die immer ihre ehrliche und eigene Meinung hatte. Wir wohnten ja so nah beieinander.
Du warst für Münster so etwas wie eine echte Koryphäe, eine Vorkämpferin für so viele Menschen. Denn Du liebtest Menschen so sehr. Und Du hattest den Mut als einer der allerersten als Transfrau, als Transgender zu leben, und zeigen zu setzen. No matter what.
Hattest immer Mut und wurdest deshalb und dafür so oft verspottet, angespuckt, bedroht und mehrfach sogar zusammengeschlagen.
Danke für all das, was Du dieser Welt gegeben hast, Sookie.
Wir feierten mehrfach Weihnachten zusammen, gingen auf Demonstrationen für unsere Rechte und Du kanntest mein Geheimnis und hast mit mir ohne Vorurteile drüber gesprochen.
Der Himmel ist jetzt um einen wundervollen Engel reicher und diese Erde ist ohne Dich, Dein Lachen und Deinen Witz, viel viel ärmer geworden, Sookie.
Wir vermissen Dich sehr.
Ruhe jetzt in Frieden. Du hast diesen Frieden weiß Gott verdient.
Danke für Deine Freundschaft. In Liebe und stillem Gedenken,
Dein
Mark, Herbert, Bruno, Laura, Irene, Rita, die gesamte Polizei Münster und der Rest der Gang.
Hoffentlich treffen wir uns irgendwann, irgendwo wieder.
Gott beschütze Dich und Deine goldene, strahlende Seele.
Amen









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